Kontinent Libyen
Der "Kontinent Libyen" umfasste die Gebiete westlich des Niltals, wobei schon in der Antike darüber gestritten wurde, ob der Nil als Grenze zwischen Asien und Libyen sinnvoll sei, da damit Ägypten auf zwei Kontinenten aufgeteilt wäre, bis zu den "Säulen des Herakles", wie man die Straße von Gibraltar zu bezeichnen pflegte. Den nördlichen Abschluss stellte das Mittelmeer dar und nach Süden zu bildeten die Sandmassen der Libyschen Wüste eine Barriere, die zu den wildesten Spekulationen Anlass bot, wie es wohl dahinter weitergehen würde. "Weiter landeinwärts", sagt etwa Herodot (II 32), "hinter der bewohnten Küstengegend, gehört Libyen den wilden Tieren. Hinter dieser Tierzone aber ist Sand und gar kein Wasser und nichts als Wüste".
Tripolis
Der vollständige Name der heutigen libyschen Landeshauptstadt, deren Bevölkerungszahl mittlerweile die Millionengrenze überschritten hat (1,5 Millionen Einwohner im Jahr 2003), lautet, zur Unterscheidung von der gleichnamigen Stadt im Libanon, Tarablus al-Gharbi (Westliches Tripolis). In antiker Zeit hier der Ort Oea; seinen modernen Namen verdankt er der Tatsache, dass nach der Eroberung der Region durch die Araber im 7. Jahrhundert die Ansiedlung - an Stelle von Leptis Magna - zur neuen Regionalhauptstadt gemacht und der antike Landschaftsname Tripolitanien ("Drei Stadt"), der auf die drei alten Orte Leptis Magna, Oea und Sabratha zurückgeht, auf das neue Machtzentrum übertragen wurde. Diese Siedlungskontinuität hat dazu geführt, dass Tripolis als Einzige der drei genannten antiken Metropolen modern überbaut wurde und daher aus der punischen und römischen Vergangenheit kaum mehr Reste vorhanden sind. Lediglich ein Triumphbogen aus der Zeit Marc Aurels und ein Tempelgiebel existieren noch vor Ort, Teile von Bodenmosaiken und Wandmalereien, die an verschiedenen Plätzen zu Tage getreten sind, wurden ins Museum überführt. Man ist für die Erforschung der antiken Stadtgeschichte deswegen vor allem auf schriftliche Quellen angewiesen, die aber zu Oea spärlich sind.
Tripolitanien
Die Landschaft Tripolitanien in Nordwest-Libyen verdankt ihren Namen den drei antiken Städten (tri polis) Sabratha, Oea und Leptis Magna. Mit der Eroberung der Region durch die Araber im 7. Jahrhundert, die Leptis Magna als Verwaltungszentrum aufgaben und durch Oea ersetzten, wurde der ursprüngliche Landschaftsname auf die neue Hauptstadt übertragen, die fortan Tripolis hieß. Geographisch gliedert sich die Landschaft in die Küstenebene der Djifara und das südlich davon an der tunesischen Grenze beginnende Bergland und Hochplateau des Djebel Nafusa, das sich 350 km nach Osten hinzieht und dabei bis 968 m ü. M. ansteigt. Bei den Einheimischen heißt es auch Djebel al-Gharbi, also Westgebirge. Es besitzt zwei Schichtstufen in 600 und 850 m Höhe. Der Höhenzug fällt nach Norden, zur Küstenebene hin, recht steil ab, während er sich nach Süden nur allmählich absenkt und zunächst in eine Steppenlandschaft, dann in die wasserarme Geröllwüste der Hamada al-Hamra (Rote Hamada) und zuletzt in die Sandwüste des Fezzan übergeht. Nicht nur, dass der Djebel Nafusa die Djifara gegen die Wüste im Süden abschirmt; er bewirkt auch, dass sich die Wolken an seinen Hängen abregnen. Damit ist sowohl im Nordteil des bergigen Hochplateaus mit seinen teils tief eingeschnittenen Wadis, als auch in der Küstenebene, wohin sich diese Trockentäler entwässern, Regenfall ohne aufwendige Bewässerung möglich.
Der Syrtebogen
Die beiden Kulturlandschaften Tripolitanien und Kyrenaika mit ihrem südlich anschließenden Bergland trennt ein ausgedehnter Trockenstreifen, auf dem sich nur eine steppenartige Vegetation hält. Die Wasserarmut dieses Gebiets erklärt sich daraus, dass hier ein Höhenzug im Hinterland fehlt, welcher die Wolken zum Abregnen zwingen könnte. Entsprechend ist hier ohne künstliche Bewässerung kein Feldbau möglich. Doch sieht man viel Weidewirtschaft. Allenthalben stößt man auf Herden von Kamelen, Ziegen und Schafen. Dennoch gab es hier bereits in der Antike einige Ansiedlungen und Hafenplätze, die aber immer nur dort existieren konnten, wo Quellen an die Oberfläche traten und ausreichend Wasser lieferten. Die Küstenlinie schlägt hier einen weiten Bogen nach Süden und bildet so einen Meeresgolf, der schon in der Antike die Bezeichnung Syrtis Mayor, Große Syrte, bekam, zur Unterscheidung von seinem kleinen Gegenstück, der Syrtis Minor, die dem heutigen Golf von Tabes an Tunesiens Ostküste entspricht. Schenkt man dem justinianischen Hofschreiber Prokopius Glauben, dann leitet sich die antike Bezeichnung Syrtis vom greichischen Wort suresthai ab, das "gezogen werden" bedeutet und darauf anspielt, dass die Wind- und Wasserverhältnisse sowie der Meeresboden mit seinen Untiefeneine reguläre Schifffahrt fast unmöglich machten und das Syrtebecken zu einem unberechenbaren Gewässer für die Schifffahrt werden ließen.
Der Fezzan
Der Fezzan ist eine 550.000 qkm große Landschaft im Südwesten Libyens. Sein Kerngebiet liegt südlich der Hamada al-Hamra, der Roten (Stein)wüste und besteht aus der östlich von Murzuq beginnenden Hofra-Senke und den westlich anschließenden Regionen. Die größte Fläche beanspruchen im westlichen Teil zwei mit Dünenfeldern bedeckte Becken, der Edeyen ("Sandmeer") von Ubari im Norden und der Edeyen von Murzuq im Süden. In östliche Richtung schließen sich die wasserlosen Basaltfelder des Haurudj al-Ashwad und des Djebel Ben Gheneima an. Dahinter erstrecken sich die riesigen Kies- und Sandwüsten der libyschen Sahara. Geprägt wird dieses Gebiet durch die etwa von Westen nach Osten verlaufenden Trockentäler des Wadi asch-Schiati, Wadi Adjal und Wadi Etba bzw. Wadi Berdjusch. In der heißen, regenarmen und entsprechend dünn besiedelten Region (die Bevölkerungszahl betrug hier 1960, vor der Ansiedlungsförderung durch die libysche Regierung, nur einmal knapp 50.000 Einwohner) ließen sich nur 2-3% der Fläche in den Wadis und den Oasen am Wüstenrand (von denen Murzaq und Sebha die bedeutendsten waren) als Kulturland nutzen. Hauptsächlich die anspruchslosen Dattelpalmen gediehen hier. Erst Ende des 20. Jahrhunderts haben sich durch Bewässerungs- und Kultivierungsmaßnamen die Lebensbedingungen spürbar verbesserrt.
Die Cyrenaika
Die Cyrenaika, die Großlandschaft im Osten Libyens, nimmt eine Fläche von 857.000 qkm ein. Das heutige Verwaltungszentrum ist die Großstadt Benghazi am östlichen Rand der Bucht der Großen Syrte. Im Norden besteht die Cyrenaika aus einer relativ schmalen Küstenebene, südlich derer sich der Djebel Akhdar, der - dank ausreichender Niederschläge - "Grüne Berg" mit einen bis zu 880 m Höhe aufsteigenden Höhenzüge erhebt. In der sich nach Süden anschließenden Libyschen Wüste bieten nur die Oasen von Jaghbub und Kufra nennenswerte Siedlungs- und Nutzflächen. In der Antike wurde in das Gebiet der Cyrenaika gelegentlich auch noch die heute auf ägyptischem Staatsgebiet liegende Oase Siwa mit ihrem berühmten Ammons-Orakel einbezogen, die, so gibt es zumindest Plinius an, 400 Meilen von Cyrene entfernt ist. Neben der Bezeichnung Cyrenaika findet sich in antiken Zeugnissen auch noch die Benennung als Pentapolis, Fünf-Städte-Bund, zu dem sich Cyrene, Apollonia, Euhesperides (später Berenike, das heutige Benghazi), Taucheira (Arsinoe) und Barke bzw. dessen später unabhängig gewordene Hafenstadt Ptolemais wohl um die Epoche Alexanders des Großen zusammengeschlossen hatten.