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Kurzversion
Besichtigungen in Lhasa.
JOKHANG TEMPEL, das "Haus des Herrn": Der Jokhang ist nicht
nur das religiöse Zentrum von Lhasa, sondern auch der höchstverehrte
Tempel im gesamten tibetischen Kulturbereich und einer der Höhepunkte
einer jeden Tibetreise. Im Tempelführer, den der 05. Dalai Lama herausgegeben
hat, heißt es: "Wenn man dieses Tempelkloster mit all den Kultobjekten
darin einmal sieht, wird die Gefahr einer schlimmen Wiedergeburt beseitigt.
Wenn man es zweimal sieht, erlangt man die Verkörperung als Deva oder
Mensch und kann die Erlösung erreichen. Wenn man es dreimal sieht,
tilgt man die drei schlimmsten Gifte aus der Seele." Die Gründung
des Klosters geht zurück auf das 6. Jahrhundert und unter dem 5. Dalai
Lama im 17. Jahrhundert erhielt der Jokhang sein heutiges Aussehen
mit neuer Eingangsfront und vier vergoldeten Kupferdächern. Nur einige
Holzschnitzereien an den Eingängen zu den Kapellen, auf einigen Pfeilern
und an den Enden einiger Träger stammen noch aus dem 7. Jahrhundert.
Anlässlich des Monlam 1927 soll ein mongolischer Lama aus Sera das
Rad der Lehre mit den Gazellen und die beiden vergoldeten Siegesbanner
auf dem Dach gespendet haben. Etwa 70 Mönche betreuen heute das Heiligtum.
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Massen der Pilger zu beaufsichtigen
und die Spenden entgegenzunehmen.
PARKHOR MARKT, wo das alte Tibet lebt: Es sind die großen Patrizieranwesen,
die sich aus massiven Granitsteinen zu dreistöckigen burgenartigen
Gebäuden erheben. Die Adligen und andere Würdenträger, die in den
Anwesen residieren, lassen ihre Handelsgeschäfte durch Agenten mit
ihren Verkaufsständen erledigen, damit sie sich "den wichtigen
Dingen des Lebens" widmen können. Die Handelsbeziehungen zahlreicher
Kaufleute aus Lhasa reichen weit über die Grenzen Tibets hinaus bis
China, Indien, Vorderasien und Turkestan. Die Hauptmasse der auf dem
Markt verhandelten chinesischen und japanischen Waren kommt heute
auf dem Seeweg über Singapur und Kalkutta (Kolkata). Da die Männer
viel unterwegs sind, liegt fast der gesamte Kleinhandel in den Händen
der Frauen, die es dann auch meisterhaft verstehen, ihren Rosenkranz
abwechseln als Gebetsschnur oder Rechenmaschine zu benutzen und dem
wirtschaftlichen Leben der tibetischen Hauptstadt eine eigene Note
zu verleihen. Auf der Parkhorstraße kann man so ungefähr alles kaufen,
was das Herz begehrt. Neben japanischen Dutzendwaren gibt es Wolle,
Seiden, Brokat- und Pulostoffe, Teppiche, Pelze, Medizinkräuter, Moschusstoff,
alle Arten Lebensmittel, chinesische Delikatessen, Gold- und Silberarbeiten,
Gebetsmühlen, Rosenkränze, Butterlampen, Schwerter, Dolche, parfümierte
Seifen, Whisky, Creme de Menthe - und selbst deutsches Exportbier
der Schlüsselbrauerei zu Bremen. Die Geschäfte vollziehen sich stets
in einem ruhigen und gemächlichen Tempo. Oft sieht man achtbare Geschäftsfrauen,
die sich die Köpfe gegenseitig in den Schoß legen und sich stundenlang
zu wechselseitiger Jagd und Körperpflege zusammenfinden. Der heilige
Parkhor ist also nicht nur Stätte emsiger handwerklicher Betätigung,
sondern zugleich auch des intimeren Familienlebens der einfachen Bevölkerungsschichten.
DREPUNG, der "Reishaufen": Neun Kilometer westlich von Lhasa
liegt in einem felsigen Tal nach Norden hin Drepung, das 1416 von
Jamyang Chöje (1379-1449), einem der beiden Lieblingsschüler Tsongkapas
gegründet und von diesem selbst eingeweiht
wurde. Drepung bedeutet "Reishaufen" nach einem Kloster
in Südindien, manche erklären den Namen aber auch mit den vielen weiß
gekalkten Gebäuden. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde
die Anlage unter dem 5. Dalai Lama vergrößert; er regierte von Drepung
aus, während der Potala im Bau was. Viele hohe Lamas studierten hier,
darunter z. B. Jamyang Zhepa, der Gründer von Kloster Labrang im osttibetischen
Amdo. Drepung war das größte und reichste Kloster von Tibet. Vor 1959
wird die Zahl der Mönche mit ca. 8.000 angegeben, davon 400 Geshes
und 50 Inkarnationen. Bei der Geshe-Prüfung des 14. Dalai Lama zählte
man bereits 9.980 Mönche. Der Abt (Tripa Khenpo) war eine der einflussreichsten
Persönlichkeiten, und während des Monlam-Festes in Lhasa wurde zwei
Mönchen aus Drepung für 21 Tage die Verwaltung der Stadt übertragen.
Drepung nahm dank seiner riesigen Ländereien viele Steuern ein, 300
kleinere Klöster unterstanden seiner Oberhoheit. 1959 flohen etwa
3.000 Mönche nach Indien, die übrigen gingen zurück in ihre Dörfer.
Drepung hat während der Kulturrevolution relativ wenige Zerstörungen
erlitten. Seit 1980 ist das Kloster wieder in Betrieb (etwa 500 Mönche).
Haupteinnahmequelle ist neben den Spenden der immer zahlreicher werdenden
Pilger ein Obstgarten.
Übernachtung in Lhasa.
- Tag 04 :
Besichtigungen in Lhasa.
POTALA PALAST, Symbol der Macht: Auch wer den Potala nur von Bildern
kennt, ist überwältigt von diesem mächtigen Bauwerk, dem Symbol weltlicher
und geistlicher Macht. Die Ausgewogenheit in Farbe, Form und Proportionen,
die Monumentalität und die Ausnützung der natürlichen Gegebenheiten
lassen den Betrachter nur staunen. Pilger errichteten an der Stelle,
vor der sie zum ersten Mal nach oft monatelangen Wanderungen seine
goldenen Dächer leuchten sahen, Steinberge und warfen sich zu Boden.
Der französische Missionar Abbé Huc schrieb 1846: "Der Palast
des Tale Lama verdient seinen über alle Welt
verbreiteten Ruhm. Er führt den Namen Buddha La, das heißt Buddha-Berg.
Auf einem gewaltigen, von der Natur gebauten Sockel haben die Verehrer
des Tale Lama einen prachtvollen Palast errichtet, in demselben residiert
die Fleisch gewordene, lebendige Gottheit - Von diesem Heiligtum übersieht
man weit und breit die Gegend und blickt an hohen Festtagen auf die
unzähligen Scharen der Andächtigen, welche aus der Ebene heranziehen
und am Fuße des heiligen Berges sich zu Boden werfen. Von Lah Sa bis
Buddha La führen zwei herrliche Baumgänge. In ihnen sieht man täglich
viele fremde Pilger ihrer buddhistischen Rosenkranz beten, und Lamas
vom Hofe in prächtiger Tracht auf reich angeschirrten Pferden reiten."
1645 begann der 5. Dalai Lama den Bau des heutigen Potala als Manifestation
der neuen Macht der Gelben Kirche. 1653 war der elfstöckige Weiße
Palast (Potrang Karpo) fertig, und der Gottkönig übersiedelte vom
Kloster Drepung dorthin. Als 1682 der "Große Fünfte" starb,
hielt der Regent Desi Sangye Gyatso (1653-1705) den Tod geheim, um
den Weiterbau nicht zu gefährden, denn nur die Verehrung, die die
Menschen dem Dalai Lama entgegenbrachten, ließ sie ihre harte Arbeit
widerspruchslos hinnehmen. Einzig der Kammerdiener und ein Mönch,
der ihm ähnlich sah und bei den Zeremonien seine Rolle spielte, waren
informiert. Als der Schwindel 1694 (zwölf Jahre später!) aufflog,
waren der dreizehnstöckige Rote Palast (Potrang Marpo) und auch die
Grabkapelle des "Großen Fünften" fertig. 1959 während des
tibetischen Aufstandes wurde auch der Potala mit Artillerie beschossen,
aber nur wenig beschädigt. In der Zeit der Kulturrevolution stand
der Potala unter dem persönlichen Schutz von Zhou Enlai. Reguläre
Truppen schützten ihn vor den Roten Garden. Im Sommer 1994 wurde eine
fünfjährige, von Beijing finanzierte Restaurierungsphase beendet.
Gemälde wurden mit einer Schicht aus farblosem Lack überzogen, elektrisches
Licht wurde installiert. Schon die Zahlen beeindrucken: Der Potala
ist etwa 400 m lang (O-W) und bis zu 117 m hoch; er bedeckt 130.000
Quadratmeter Fläche, (das entspricht etwa der Wohnfläche von 1.000
durchschnittlichen Einfamilienhäusern in Westeuropa); 15.000 Säulen
tragen die Decken. Die leicht nach innen geneigten Mauern, die direkt
aus dem Felsen zu wachsen scheinen, sind unten bis zu 5 Meter stark,
oben noch zwei Meter. Baumaterialien sind Steine, Holz und Mörtel.
Man goss flüssiges Kupfer in die Fundamente, um die Erdbebensicherheit
zu vergrößern.
SERA, der "Wildrosenhof": Sera ist die jüngste, der "drei
Säulen der Gelben Kirche", es wurde erst 1419 gebaut, im Todesjahr
von Tsongkapa. Gründer war sein Schüler Jamchen Chöje oder Sakye Yeshe
(1355-1435). Dieser gelehrte Mönch besuchte als Vertreter Tsongkapas
dreimal den Ming-Kaiser in China. Daher bestand zwischen Sera und
China eine besondere Beziehung. Sera liegt am Fuß der Berge, fünf
Kilometer nördlich von Lhasa, unterhalb einer Einsiedelei (Sera Utse),
in der Tsongkapa einige Jahre verbraucht hat. Jahrhunderte lang war
Sera berühmt für die Gelehrsamkeit seiner Mönche, aber auch gefürchtet
wegen der Rauflust einer Gruppe von Laienbrüdern (Dob-Dob), die schwere
körperliche Arbeiten verrichteten und eine Art Mönchspolizei bildeten.
Von Adligen wurden Sie als Leibwachen engagiert.
NORBULINGKA, der "Edelsteingarten": Ungefähr 3 km westlich
des Potala liegt der Sommerpalast des Dalai Lama, genannt der "Edelsteingarten",
in einem 360.000 qm großen Park mit schönen Bäumen. Der 7. Dalai Lama
errichtete 1755 die ältesten Teile der Anlage. Seither wurde sie von
allen Gottkönigen als Sommerresidenz benutzt. Für die Bevölkerung
von Lhasa war der prachtvolle Umzug vom Potala zum Norbulingka am
18. Tag des dritten Mondmonats ein viel bestauntes Schauspiel. Die
Häuser waren mit Flaggen geschmückt, alle 30 m befand sich ein Weihrauchfass.
Die meisten Gebäude des Sommerpalastes wurden während der Regierung
des 13. und des 14. Dalai Lama gebaut. Vom Norbulingka flüchtete Tenzin
Gyatso am 17. März 1959. Bei der anschließenden Beschießung mit Artillerie
durch die Chinesen wurde viel zerstört, ebenso während der Kulturrevolution.
Der restaurierte "Edelsteingarten" heißt nun Volkspark und
ist täglich geöffnet. Auch vor 1959 war der Park allen zugänglich.
Nur was sich hinter der hohen, gelben Mauer des Privatgartens abspielte,
blieb ein Geheimnis.
Übernachtung in Lhasa.
- Tag 05 :
Ganztagesausflug zum Kloster Ganden.
GANDEN, das "Freuderfüllte": Nach Studien in Drigung, Nethang,
Samye, Shalu, Sakya und Reting gründete Tsongkapa 1409 auf einem Berg
etwa 45 Kilometer (39 km auf dem Szechuan-Highway, anschließend 6
km eine Seitenstraße) flussaufwärts östlich von Lhasa ein eigenes
Kloster. Er nannte es Ganden, das "Freuderfüllte", nach
dem Tushita-Paradies, in dem der künftige Buddha Maitreya derzeit
residiert, bevor auf die Erde herabsteigen wird. In Ganden verwirklichte
Tsongkapa seine Reformideen, das Kloster wurde das religiöse Zentrum
der Gelugpa. Wie Drepung und Sera zählt es zu den drei Säulen der
Gelben Kirche. Als Tsongkapa 1419 starb, wurde sein Schüler Gyeltsab
Je Nachfolger als Ganden Tripa ("Thronhalter von Ganden").
Nach dessen Tod folgte der zweite Lieblingsschüler Khedrup Je. Seither
wurde jeweils einer der Vorsteher der Kloster-Fakultäten oder ein
gelehrter Mönch aus Sera oder Drepung für sieben Jahre zum Ganden
Tri Rinpoche (Ganden Tripa) gewählt. Das offizielle Oberhaupt der
Gelugpa ist nicht der Dalai Lama, sondern der Ganden Tri Rinpoche.
Der 97. Ganden Tri Rinpoche, einer der Lehrer des derzeitigen Dalai
Lama, starb 1983 in Dharamsala. Der 98. Nachfolger ist Oberhaupt des
Exilklosters Ganden in der Nähe von Mundgod (Südindien). Ganden, 4.300
Meter hoch an einem steilen Berghang wie ein Amphitheater gelegen,
wurde im Lauf der Zeit zum einflussreichsten Kloster. 1959 bevölkerten
noch 3.000 Mönche diesen Ort der Gelehrsamkeit und Meditation. Danach
wurden sie alle verhaftet oder vertrieben. Das Inventar wurde abtransportiert.
Die Roten Garden zerstörten die Klosterstadt mit Artillerie und Dynamit.
Mit der Liberalisierung nach 1980 begann ein langsamer Wiederaufbau
einzelner Bauten. Es ist rührend, mit welcher Hingabe, welchem Eifer
und welch bescheidenen Mitteln die Leute versuchen, alles so zu rekonstruieren,
wie es einmal war. Derzeit leben wieder etwa 300 Mönche in diesem
Kloster, etwa 30 der ehemals an die 200 Gebäude sind wieder aufgebaut,
doch die drei Fakultäten haben ihren Betrieb noch nicht wieder aufgenommen.
Abends Rückkehr nach Lhasa. Übernachtung in Lhasa.
- Tag 06 :
Besichtigungen um Lhasa.
RAMOCHE, der kleine Jokhang: Der Ramoche stammt wie der Jokhang aus
dem 7. Jahrhundert und soll von der chinesischen Prinzessin Weng Cheng
gegründet worden sein. Ramoche bedeutet "große Einfriedung",
wahrscheinlich nach einer früheren starken Umfassungsmauer. In diesem
Komplex war der berühmte Jowo Sakyamuni der Weng Cheng aufgestellt.
Als er später - wegen Gerüchten um eine bevorstehende chinesische
Invasion - in den Jokhang übersiedelt wurde, nahm der Jowo Mikyö Dorje
(Skt. Aksobya Vajra) der nepalesischen Gattin seinen Platz ein. Die
Anlage, ursprünglich in chinesischem Stil errichtet, wurde einige
Male durch Feuer zerstört und in tibetischem Stil wieder aufgebaut.
Seit 1474 diente der Ramoche als Versammlungshalle für die hohe tantrische
Schule Gyutö (heute eine öffentliche Schule) daneben. Dort studierten
Mönche die tantrischen Rituale, das Bannen von Dämonen und das Herstellen
von Mandalas meist erst nach Abschluss ihrer Ausbildung an einer der
Mönchsuniversitäten.
PALHALUPUK-TEMPEL: Das kleine, alte Höhlenheiligtum soll von einer
tibetischen Frau des Königs Srongtsen Gampo nach ihrer Bekehrung zum
Buddhismus um 647 gestiftet worden sein. Der Höhlentempel (tibetisch:
Puk) sollte die Felsgeister (tib.: Dra-Iha) und Wassergeister (tib.:
Lu) besänftigen, die beim Bau des Jokhang gestört worden waren, daher
der Name. Das Heiligtum liegt gegenüber vom Potala am Fuß des Chakpori.
Im ersten Stock befindet sich der Tungshak Lakhang mit Sakyamuni,
Manjushri, Amatayus, Thangtong Gyalpo und den Gottheiten des langen
Lebens. Die neuen Wandmalereien stellen die 35 Buddhas der Sündenvergebung
dar. Rechts vom Zhelye Lakhang im zweiten Stock mit sehr schön verzierten
Tormas führt der Zugang zur Grotte. Das Heiligtum besteht aus einem
ausgehöhlten Gang rund um einen zentralen Felsen. Die Wände sind bedeckt
mit erhabenen, bunt bemalten Steinreliefs von Buddhas und Bodhisattvas.
Rechts oberhalb von Palhalukpuk befindet sich Drubthob Lakhang. Dieses
Heiligtum, das von Nonnen betreut wird, ist Thangtong Gyalpo gewidmet.
Der berühmte Kettenbrückenbauer und Vater der tibetischen Oper soll
hier meditiert haben.
Besuch von tibetischen Familien in ihren bescheidenen Häusern. Lernen
Sie die Lebensweise der Tibeter und das häusliche Leben kennen.
Übernachung in Lhasa.
- Tag 07 :
Reise über Land nach Gyantse. An der Strecke traumhafter
Ausblick auf Tibets schönsten See, den türkisblauen Yamdrok Yamtso
(Yamdrok bedeutet Jade, 4.482 m Meereshöhe, 180 qkm) in der Form einer
Orchidee oder eines Skorpions. Eisbedeckte Gipfel bilden die Kulisse:
im Westen der 7190 Meter hohe Nayun Kang, im Süden der 7.554 Meter
hohe Kula Kangri, Bhutans höchster Berg. Hier fand 1904 das letzte
Gefecht zwischen den britischen Truppen von Colonel Younghusband und
den Tibetern statt. Der Yamdrok Yamtso gehört mit dem Lhamo Lhatso,
dem Nam Tso und dem Manasarovar zu den vier heiligen Seen Tibets.
GYANTSE, der "Königliche Gipfel": Gyantse (3.950 m, 20.000
Einwohner, ca. 260 km von Lhasa), "Königlicher Gipfel",
war einst Tibets drittwichtigste Stadt am Kreuzungspunkt der bedeutendsten
Handelsstraßen von Nepal, Indien und Bhutan nach Lhasa. Ein hoher
Felsrücken mit der Burgruine teilt Gyantse in zwei Bezirke. Im Westen
breitet sich der große Klosterkomplex und ein Teil der Altstadt mit
der breiten Marktstraße aus, im Osten liegt der kleinere Altstadtteil
(meist Bauernhäuser). Die neuen Bauten der Chinesen bilden einen Ring
um die tibetische Stadt. Mehr als in anderen Städten hat sich in Gyantse
das alte Tibet mit seinen geweißten Häusern und den farbigen Fensterverkleidungen
erhalten. Die Marktstraße zum Palkhor-Kloster (Dzongdun Lam) mit den
Geschäften ist heute eines der schönsten Ensembles des Landes. Jahrhundertelang
war Gyantse Tibets Zentrum für Wollwaren und Webarbeiten (1954 arbeiteten
80 Prozent der Einwohner in diesem Gewerbe) und Ausgangspunkt für
den Export von Schaf- und Yak-Wolle nach Nepal und später, im 20.
Jahrhundert, nach der Younghusband-Expedition, auch nach Indien. Seit
der Schließung der Grenzen 1959 hat Gyantse seine Bedeutung verloren,
nur eine Teppichweberei (Gyantse County Rug Factory) im östlichen
Teil der Stadt nahe der Burg erinnert noch an die alte Tradition.
PALKHOR-KLOSTER: Der Klosterbezirk Palkhor oder Palkhor Chöde aus
dem 14. und 15. Jahrhundert am Ende der Marktstraße wirkt wie ein
Gegengewicht zum Dzong. Palkhor war keine Klosterstadt in der Art
von Tashilunpo oder Drepung. Palkhor war ein ökomenisches Zentrum.
Innerhalb einer starken Mauer gruppierten sich neben dem Tsuklakhang
und dem Kumbum-Chorten 15 kleine Klöster der verschiedenen tibetischen
Sekten (9 Gelugpa, 3 Sakyapa, 3 Shalupa). Einmalig für Tibet ist,
dass in Gyantse auch die nicht reformierten Orden der Rotmützen noch
bis ins 20. Jahrhundert unterhalten werden durften und dass besondere
Festlichkeiten gemeinsam im Tsuklakhang begangen wurden. Allerdings
hatten die Gelbmützen das Übergewicht, und ein von Lhasa berufener
Abt bildete die höchste Autorität. Im 18. Jahrhundert sollen dort
3.000 Mönche gelebt haben, später waren es um die 800.
Übernachtung in Gyantse.
- Tag 08 :
Weiterreise nach Shigatse.
SHALU - Zentrum der Tranceläufer: Das Kloster Shalu wurde schon im
11. Jahrhundert während der von Westtibet ausgehenden Renaissance
des Buddhismus von einem Adelsgeschlecht gegründet. Später war Shalu
abhängig vom mächtigen Sakya. 1045 verbrachte Atisha, der große Meister
aus Bengalen, drei Monate in Shalu. 1320 kam Butön (1290-1364), einer
der größten tibetischen Schriftgelehrten. Er war verantwortlich für
die künstlerische Ausgestaltung der vier Kapellen im Obergeschoß.
Er sammelte alle tibetischen Übersetzungen der indischen Kommentare
zu Buddhas Lehre, ordnete sie und schrieb sie mit eigener Hand ab
(insgesamt 225 Bände!). Er hinterließ darüber hinaus noch ein 26-bändiges
Nachschlagewerk zum tibetischen Buddhismus und schrieb selbst zahllose
Kommentare. Durch seine Auslegung der Schriften begründete er aufbauend
auf der Kadampa- und Sakyapa-Tradition eine eigene Schule, die Shalupa,
deren Verbreitung jedoch auf dieses Gebiet beschränkt blieb. Sein
Hauptwerk ist seine berühmte "Geschichte des Buddhismus in Indien
und Tibet", das die Mönche heute noch zu Studienzwecken benutzen.
Während der Kulturrevolution haben Rotgardisten alle seine Handschriften
verbrannt. Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Kloster "als Paradies
des Avalokitesvara" mit Hilfe der mongolischen Kaiser in China
nach einem Erdbeben renoviert und bedeutend vergrößert. Der von massiven,
nach innen geneigten Mauern umgebene Hof ist typisch mongolisch, die
grünen und gelben Glasurziegel und die geschwungenen, übereinander
liegenden Pagondendächer selbst sind chinesisch, während die Wandgemälde
- sie gehören zu den ältesten und schönsten des Landes - stark von
nepalesischen Künstlern am Hofe im heutigen Beijing und Kaschmir beeinflusst
sind und als Vorläufer des späteren Gyantse-Stils angesehen werden.
Seit Butön war Shula auch Ausbildungszentrum für Tranceläufer, die
Berichten zufolge große Entfernungen, ohne jemals anzuhalten oder
auszuruhen, zurücklegen konnten. Dabei durften sie durch nichts gestört
werden. Durch jahrelange Meditation und Konzentration in völliger
Abgeschlossenheit versuchten viele Yogis, die Materie dem Geist unterzuordnen
und paranormale Fähigkeiten zu erlangen. Dazu gehörte das willkürliche
Beeinflussen der Körpertemperatur (Tummo) - dadurch konnten Einsiedler
nackt oder jedenfalls nur leicht bekleidet die Winter im hochgebirge
überleben (als Abschlussprüfung musste der Yogi auf einem schneebedeckten
Berggipfel zwölf große, nasse Tücher hintereinander auf dem bloßen
Körper trocknen) - und das Aufheben der Schwerkraft (Levitation).
TASHILUNPO, der Segensberg: Es liegt am Südhang des Dromari (Tara-Berg)
am westlichen Ende von Shigatse. Mit rund 600 Mönchen, davon sogar
100 Novizen, ist Tashilunpo heute das Kloster Tibets mit den meisten
religiösen Aktivitäten. Hunderte von Pilgern aus allen Landesteilen
und manche aus Nepal ziehen täglich mit Opfergaben durch die heiligen
Räume. Das Kloster wurde 1447 von Gedundup, dem späteren 1. Dalai
Lama, einem Neffen und Schüler Tsongkapas, gegründet. Gedundup ist
auch dort begraben. Doch trotz dieses bedeutenden Gelbmützenklosters
blieb die Provinz Tsang damals fest in den Händen der nicht reformierten
Rotmützen, und die Äbte mussten mehrmals nach Lhasa fliehen. Erst
nachdem der "Grosse Fünfte" die weltliche Macht in Tibet
übernommen hatte, wurde der Einfluss der Rotmützen gebrochen. Lobsang
Chökyi Gyaltsen (1570-1662) erhielt vom 5. Dalai Lama den Titel Panchen
Rinpoche (vierter!). Seine drei Vorgänger wurden posthum zu Panchen
Lamas, einer Inkarnation des Buddha Amitabha. Das Kloster wurde unter
dem 4., 5. und 6. Panchen Lama bedeutend erweitert. Das Jahr 1791
beachte einen Rückschlag: Die Gurkhasoldaten des nepalesischen Königs
fielen in Westtibet ein und plünderten auch das Kloster. Chinesischen
Truppen gelang es, sie wieder zurückzuschlagen. Sven Hedin berichtet
1907 von 3.700 Mönchen. Tashilunpo war wie die drei Säulen der Gelben
Kirche - Ganden, Drepung und Sera - organisiert. Die Äbte der vier
Fakultäten leiteten nach dem Tod eines Panchen Lama die Suche nach
seiner Inkarnation, einer von ihnen wurde jeweils vom Dalai Lama zum
Gouverneur von Tsang bestellt. An die 500 kleinere Klöster gehörten
früher zum Einflussbereich des Panchen Lama, darunter so berühmte
wie Yonghehong in Beijing ("Lamatempel") und Filialen in
Chendu und Gyantse.
Übernachtung in Shigatse.
- Tag 09 :
Morgens Fahrt über Land nach Tsetang. In der Nähe
von Tsetang an der Mündung des Yarlung-Flusses überrascht das Land
durch seine Fruchtbarkeit: ausgedehnte Weizen- und Gerstenfelder,
breite Streifen von Pappeln und Weiden und sogar Gärten mit Apfel-
und Birnbäumen, für das Gebiet berühmt ist. Nirgendwo sonst sind die
Farben intensiver als in Tibet. Das liegt sicher an der Höhe wie auch
an der trockenen und staubfreien Luft. In Tsetang und im Yarlungtal
stand sozusagen die Wiege der tibetischen Kultur. Östlich der Stadt
wird auf dem heiligen Berg Gonpo Ri (ca. 4.060 m) auf die Höhle gezeigt,
in der Chenrezi als Affe gelebt und mit der Dämonin sechs Kinder gezeugt
haben soll. Auf tibetisch bedeutet Tsetang "Spielplatz"
(für die ersten sechs Tibeter). Das Feld hinter dem Krankenhaus wird
als erster Acker in Tibet bezeichnet (nach anderer Ansicht befindet
sich der erste Acker unterhalb des Yumbulakhang). Chenrezi soll da
erstmals Getreide angebaut haben. Jedes Jahr pilgern Bauern vor der
Aussaat dorthin, um eine Handvoll Erde für ihre eigenen Felder mit
nach Hause zu nemen. Tsetang (3.400 m, chin. Zedang, 190 km von Lhasa,
87 vom Flughafen, ca. 14.000 Einwohner, heute drittgrößte Stadt in
der TAR Tibet Autonomen Region) mit breit angelegten Alleen und mehrstöckigen
Betonbauten ist heute die Hauptstadt der Provinz Shannan. Es ist im
Laufe der Zeit mit dem südlich angrenzenden Netong zusammengewachsen.
Netong war im 14. und 15. Jahrhundert Zentrum der Phakmodrupa-Dynastie,
die Sakya die Herrschaft über Zentraltibet ablöste.
Übernachtung in Tsetang.
- Tag 10 :
Besichtigungen in Tsetang und Umgebung.
YUMBULAKHANG: Schon von weitem auf einem Bergkammsichtbar ist der
Yumbulakhang (15 km von Tsetang, 6 km südl. von Trandruk), das der
Legende nach älteste Gebäude Tibets, in dem der erste König Nyatri
Tsenpo gelebt haben soll! Jeder Stein dort ist mit Legenden und Geschichten
verbunden. Anfangs als Festung verwendet, wurde der Yumbulakhang später
- wahrscheinlich unter Srongtsen Gampo - zu einem Tempel. Forschungen
haben ergeben, dass die älteste Bausubstanz (mit Erde verbundene,
grob behauene Steine) aus dem 7. Jahrhundert stammt (die beiden untersten
Kapellen). Im 15. Jahrhundert errichtete Khedrup Je, Schüler des Tsongkapa,
das Kloster Riwo Chöling. Sein endgültiges Aussehen erhielt der Yumbulakhang
in der Zeit des 5. Dalai Lama (2. Stockwerk mit Golddach). Während
der Kulturrevolution wurde der Yumbulakhang zerstört, aber 1982 originalgetreu
wieder aufgebaut.
GRÄBER DER ERSTEN KÖNIGE: Chonggye, 28 km südwestlich von Tsetang,
war die alte Hauptstadt der tibetischen Dynastie. Als König Srongtsen
Gampo im 7. Jahrhundert die Residenz nach Lhasa verlegte, verlor es
an Bedeutung, blieb aber Begräbnisstätte der Yarlungkönige. Oberhalb
der kleinen Stadt sind die Ruinen des Chingwa Tagtse Dzong oder Chonggye
Dzong auf dem Hang leicht zu erkennen. Dort soll die zentrale Residenz
der Yarlungkönige gewesen sein. 1617 wurde in dieser Festung der spätere
5. Dalai Lama geboren. Bis 1959 war der Dzong noch völlig intakt.
Unterhalb des Dzong können Sie die Ruinen des Riwo Dechen-Klosters
sehen. Es wurde im 15. Jahrhundert von einem Schüler von Khedrubje
gegründet (Khedrubje war einer der beiden Lieblingsschüler von Tsongkapa
und wurde posthum zum 1. Panchen Lama ernannt). Einige Gebäude wie
z. B. der Maitreye-Tempel wurden neu errichtet, ca. 70 Mönche.
TAL DER KÖNIGE: Im Tal der Könige südlich von Chonggye sind einige
Erdhügel zu sehen (10 im Tal des Chingwando rechts, 6 im Dungkhar-Tal
daneben links). Es sind Gräber aus dem 7. bis 9. Jahrhundert (bis
zum Ende der Dynastie durch Langdarma). Ursprünglich waren die Hügel
vermutlich mit Steinen verkleidet. Historische Berichte sprechen von
16 herrschern, die hier bestattet worden sind, der erste war Srongtsen
Gampo, der letzte Langdarma. Der Hügel des Srongsten Gampo (608-649)
ist leicht zu finden (Höhe 13,4 m, Seitenlänge 129m). Er trägt noch
als einziger einen kleinen Tempel auf der Spitze. Steinstufen führen
hinauf. Von ober kann man alle 10 Gräber des Chingwando-Tals sehen.
Übernachtung in Tsetang.
- Tag 11 :
Ganztagesausflug zum Kloster Samye.
SAMYE - Abbild des Universums: Samye liegt am nördlichen Ufer des
Tsangpo, etwa 40 km westlich von Tsetang. Die Anreise ist etwas abenteuerlich,
deshalb auch der ganze Tag einzuplanen. Bei km 155 (von Lhasa gerechnet)
ist die Anlegestelle der Fähre, eines offenen selbst gebauten, flachen
Bootes, das von einem Traktormotor angetrieben wird. Die Überfahrt
dauert bis anderthalb Stunden, je nach Wasserstand und Lage der Sandbänke.
Manchmal fällt der Motor aus, manchmal läuft die Fähre auf. Der Landeplatz
liegt einige Kilometer oberhalb von Samye im Surkhar-Tal. Weitertransport
(9 km, 30 Minuten) auf der Ladefläche eines LKW. Permit ist notwendig,
es wird an der Anlegestelle vor der Abfahrt kontrolliert. Nach etwa
10 Minuten Fahrt sehen Sie links am Berg fünf weiße Stupas (Tib.:
Chorten Rigna). Sie bezeichnen den Ort, an dem Padmasambhava den tibetischen
König Trisong Detsen erstmals getroffen hat. Daneben Felsmalereien,
meist Amitayus. Das erste Kloster in Tibet wurde in Samye um das Jahr
775 in der Regierungszeit des "zweiten Religionskönigs"
Trisong Detsen mit Hilfe von Padmasambhava und Shantaraksita, beide
aus Indien, gegründet, in einer Zeit der Konflikte zwischen Buddhismus
und Bön-Religion, zwischen König und Adel. Samye wurde zum königlichen
Tempel, zum Zentrum des Buddhismus und gleichzeitig zu einem politischen
Zentrum. Die Anlage entspricht den buddhistischen Vorstellungen vom
Universum. Vorbild soll der Tempel von Otantapuri (heute indischer
Bundesstaat Bihar) gewesen sein. Der Haupttempel im Zentrum steht
für den mythischen Berg Meru. Rundherum, jedoch nicht genau in den
Himmelsrichtungen, baute man vier Tempel für die vier Kontinente.
Diese Tempel wurden mit Ling, das heißt Kontinent, bezeichnet. Links
und rechts davon standen zwei kleinere Tempel für die acht Nebenkontinente
(Ling-tren). Im Norden und Süden kam dazu noch je eine Kapelle für
Mond (N) und Sonne (S, jetzt zerstört) als Symbole der Polarität aller
Dinge.
Übernachtung in Tsetang.
- Tag 12 :
Fahrt von Tsetang entsprechend der Weiterreise
direkt zum Flughafen Lhasa. Abflug nach Peking mit CA 4111 um 15.55
Uhr.
Ankunft in Peking um 21.30 Uhr. Aufenthalt am Flughafen.
- Tag 13 :
Abflug nach Frankfurt mit CA 965 um 01.30 Uhr.
Ankunft in Frankfurt um 05.15 Uhr.
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