Allgemeines
Tibet ist kein "leichtes" Ziel. Tibet war früher für Außenstehende immer ein mystisches Land. Fern hinter den Himalaya-Gipfeln gelegen, wurde es zu einem Synonym für Geheimnisvolles. Nur wenigen gelang es, die räumliche und politische Absperrung zu überwinden. Ihre Besichte von riesigen Klosterstädten, "lebenden Göttern", Magie, Orakel und Tranceläufern ließen oft falsche Vorstellungen entstehen. Tibet war nie das "Shangri-La" aus James Hiltons Roman "The Lost Horizon", von dem manche Romantiker schwärmen. Es war ein Bauern- und Nomadenstaat, der - wie bei uns im Mittelalter - nach strengen, feudalistischen Grundsätzen gegliedert war, mit Leibeigenschaft, sozialer Ungerechtigkeit und harten Strafen, und der darauf ausgerichtet war, die Macht der Klöster und des Klerus zu erhalten. Doch Hugh Richardson, einer der besten Kenner des alten Tibet, der sich in den vierziger Jahren als Leiter der britischen Mission in Lhasa aufhielt, schrieb: "Eine Zivilisation und eine Regierung verdienen es, in ihrem eigenen Licht gesehen und nach den Resultaten, die sie erzielen, beurteilt zu werden." Das eigentlich faszinierende waren die Menschen. Für sie war Religion nicht auf fallweise Riten beschränkt. In ihrer gesamten aufgezeichneten Geschichte - und das sind immerhin schon 1.300 Jahre - bestimmte die Religion das tägliche Leben von der Geburt bis zum Tod, ja sogar über den Tod hinaus. Diese Geborgenheit in der Religion, die dem Leben Sinn gab, alle Phänomene erklärte und den Menschen die Angst nahm, ließ sie trotz harter Lebensumstände in allen Berichten als zufrieden mit ihrem Schicksal erscheinen. Die Religion übte auch einen mäßigenden Einfluss auf die Feudalherren aus und gab den Menschen Trost und Unterstützung. In der Religion liegt auch der Grund für die Verehrung der Natur, für ihren Respekt vor jeder Art des Lebens und vor allem für die - oft kindliche - Fröhlichkeit in ihren wettergegerbten Gesichtern. Während die Menschen des Westens schon immer versucht haben, sich die Welt untertan zu machen, die Natur zu beherrschen, die Welt auszubeuten, haben sich die Tibeter ihren Respekt vor der Natur und vor der wechselseitigen Abhängigkeit von Mensch und Natur bewahrt. Tibet war, bis die Chinesen einmarschierten, der größte "Nationalpark" der Welt. Das Ende des Gottesstaates kam mit der chinesischen Okkupation 1951. Was dann folgte, ist allgemein bekannt. Im Namen des "Fortschritts" wurde alles, was nur im Entferntesten mit Religion zu tun hatte besonders während der Kulturrevolution verfolgt und vernichtet. Das galt vor allem für die Kultur, denn sie basierte seit jeher auf dem Glauben: Kunst war die bildhafte Aussage der Religion. Es war daher eine Sensation, als China 1980 das "verbotene Land" zuerst für Gruppen, 1984 auch für Einzelreisende öffnete. Touristen, vor allem aber Chinesen, waren überrascht, dass die Frömmigkeit der Tibeter trotz fast dreißigjähriger Unterdrückung beinahe unverändert geblieben war. Seit der Kulturrevolution hat sich - objektiv gesehen - im Lande und im Leben der Menschen - jedenfalls in materieller Hinsicht - vieles zum Besseren verändert. Straßen wurden gebaut, das Schul- und Gesundheitswesen wurde bedeutend verbessert. China investierte große Summen, um "seine" Vorstellungen von Zivilisation zu verwirklichen. Tibet wird nie wieder so sein, wie es einmal war. Aber die alten Traditionen und der Glaube haben überlebt. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet Seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama, der es verstanden hat, die Kultur seines Volkes auch im Exil lebendig zu erhalten. Ob dies von Dauer sein wird, ist eine andere Frage. Der Tourismus wird - oft sicher zu Recht - als kulturzerstörend verteufelt, doch in Tibet hat er auch positive Auswirkungen. Zum einen ist er ein Garant für die politische Liberalisierung, zum anderen dienen die Deviseneinnahmen der Restaurierung der religiösen Bauwerke und bringen so der tibetischen Kultur und Kunst neues Leben. In Tibet ist alles, was mit Tourismus zusammenhängt, ständigen Änderungen unterworfen: Routen und Orte werden gesperrt oder geöffnet, Bestimmungen geändert, in Lhasa gegebene Versprechen gelten in anderen Landesteilen nicht und umgekehrt. Schlüssel zum Verständnis dieses Landes am "Dach der Welt" ist die Religion, die trotz dreißigjähriger Unterdrückung und Verfolgung mit überraschender Kraft wieder an die Oberfläche drängt, auch heute noch das tägliche Leben der Menschen bestimmt und ihm Sinn gibt. Nur aus der Kenntnis dieses fremdartigen Glaubens wird das Leben der Menschen und das gesamte Kulturschaffen Tibets begreiflich und eine respektvolle Annäherung möglich. Tashi delek, "Glück und Segen!"
An- und Abreise
Die beiden meistfrequentierten Anreisewege per Flugzeug sind über Kathmandu mit Verbindung nach Lhasa (2-mal pro Woche) oder über Chengdu (täglich). Weitere Verbindungen bestehen mit Chongqing, Xining und Beijing. Der Flughafen Gongkar liegt 98 km von Lhasa (Transferzeit ca. 90 Minuten). Auf dem Landweg gibt es mehrere Möglichkeiten, von denen vor allem die Kathmandu und Qinghai-Route, seltener die Xinjing-Route gewählt werden.
Einkaufsmöglichkeiten:
Beliebt als Souvenirs sind: Thankas, Teppiche,
Halbedelsteine, Ritualgegenstände, Amulettkästchen, Filigranarbeiten, Felle, chinesische
Seide und Tee. Die Ausfuhr von Antiquitäten - darunter verstehen die Chinesen alles, was
vor 1959 erzeugt wurde - ist verboten. Röntgenkontrolle am Flughafen! Viel Altes ist
jedoch nicht mehr zu finden, ein Großteil der Souvenirs stammt aus nepalesischen
Werkstätten. Die Händler am Parkhor und auch in Shigatse sind schon auf Touristen
eingestellt und nehmen am liebsten USD. Handeln ist Pflicht. Sprachschwierigkeiten gibt es
dabei nicht, ein Taschenrechner gehört zur Grundausstattung jedes Händlers.
Einreisebestimmungen
Ein chinesisches Visum in notwendig. Das spezielle Permit für Tibet bekommen Sie von uns im Zuge der Buchung des Landprogramms.
Elektrizität
220 V/50 Hz. Alle größeren Orte sind an ein Stromnetz angeschlossen oder verfügen über einen Dieselgenerator. Die Steckeranschlüsse sind nicht standardisiert (meist dreipolig). Ein Universalstecker ist empfehlenswert.
Fotografieren und Filmen
Nehmen Sie genügend Filme mit. In Tibet bekommen Sie - abgesehen von Lhasa (überhöhte Preise) - selten welche. Wichtig sind auch Reservebatterien, ein Blitzgerät, Skylightfilter und Linsenpapier (Staub!). Innenaufnahmen in Klöstern müssen bezahlt werden, oft sind sie überhaupt verboten (in einigen Räumen im Potala, ganz in Norbulingka, Labrang und Kumbum). Verboten sind natürlich auch Fotos von militärischen Einrichtungen und Brücken. Bitte achten Sie die Privatsphäre der Menschen. Fragen Sie um Erlaubnis, bevor Sie in ein Haus gehen oder Porträtaufnahmen machen. Ein Dalai Lama Bild (Einfuhr von Dalai Lama Bildern z. Zt. allerdings verboten) wirkt of Wunder. Verteilen Sie aber diskret, wenn Sie keinen Auflauf riskieren wollen. Geben Sie keinesfalls Geld! Manche haben schon Bekanntschaft mit Sofortbildkameras gemacht und erwarten ein Bild von Ihnen. Versuchen Sie, das vorher zu klären. Oder versprechen Sie, ein Bild zu senden (das sollten Sie dann aber auch tun). Bei Nomaden gibt es dabei sicher Probleme.
Geld
Die chinesische Währung lautet
Renminbi (RMB) unterteilt in 10 Jiao, diese wiederum unterteilt in 10 Fen. Die
Münzen haben einen Wert von 1 Yuan, 5 Jiao, 2 Jiao, 1 Jiao, 5 Fen, 2 Fen und
1 Fen, die Banknoten von 100 Yuan, 50 Yuan, 10 Yuan, 5 Yuan, 2 Yuan, 1 Yuan,
5 Jiao, 2 Jiao, 1 Jiao, 5 Fen, 2 Fen. Die Ein- und Ausfuhr ist bis 6.000 Yuan
(mit Deklaration) erlaubt.. Wechselkurs (Stand Dezember 2010) 100 RMB = 11 Euro.
Achtung: Tauschquittungen sollte man sorgfältig aufbewahren, da man sie zuweilen beim
Kauf von Inlandsflügen und Bahnfahrkarten vorlegen muss.
Reiseschecks werden nur in größeren Hotels und in der Bank of China angenommen. Auf
Kreditkarten sollten Sie sich nicht verlassen. Die günstigste Währung ist der USD.
Wechseln am Schwarzmarkt ist verboten, die Gefahr, gefälschte oder ungültige Banknoten
zu erhalten, ist groß. Kursunterschiede sind minimal!
Impfungen/Gesundheit
Die medizinische Versorgung hat
natürlich nicht europäischen Standard, auch nicht in der Hauptstadt Lhasa. In größeren
Städten gibt es Krankenhäuser, in größeren Orten und Militärlagern Krankenstationen.
Versuchen Sie, bei ernsthaften Erkrankungen einen westlichen Arzt unter den Touristen zu
finden oder ein Flugticket nach Kathmandu zu bekommen. Bringen Sie ausreichend Medikamente
mit! Impfungen sind keine vorgeschrieben, Tetanus-, Polio-, Typhus- und Hepatitisimpfungen
aber empfohlen. Malaria ist kein Problem in Tibet! Hygiene ist in Tibet ein Fremdwort.
Viele meinen, dass die Tibeter ohne die kalte, trockene Höhenluft schon längst gestorben
wären. Magenverstimmungen und Durchfall werden durch schlechtes Kochen, schmutziges
Geschirr und verunreinigtes Wasser hervorgerufen. Wasser kocht schon bei 70 Grad. Eine
eigene Wasserflasche und Wasserdesinfektionstabletten (z.B. Micropur) sind sehr
empfehlenswert. Essen Sie kein ungekochtes Gemüse, Eis oder rohes Fleisch, trinken Sie
keine Milch. Verwenden Sie auch zum Zähneputzen gekochtes oder gereinigtes Wasser. Hotels
und Gästehäuser versorgen ihre Kunden mit abgekochtem Wasser in sehr guten chinesischen
Thermoskannen. Starke Temperaturschwankungen, häufiger Wind und Staub verursachen
Halsentzündungen, Husten und fieberhafte Erkältungen, die intensive Sonneneinstrahlung
führt zu Sonnenbrand, aufgesprungenen Lippen und Augenentzündungen. Ein
Sonnenschutzmittel mit hohem Faktor (Sunblocker für die Lippen), eine Kopfbedeckung und
Sonnenbrillen (über 5.000 m Schneebrillen) sind ein Muss. Nehmen Sie sich in Acht vor den
vielen Hunden. Manche, vor allem in kleinen Siedlungen, bei Nomadenzelten und Herden sind
bissig. Tollwutimpfungen sind schmerzhaft! Vermeiden Sie jeden Hautkontakt mit
Straßenhunden!
Höhenkrankheit: Über 3.000 m besteht die Gefahr von Höhenkrankheit.
Ihr Körper muss mehr rote Blutkörperchen erzeugen, um genügend Sauerstoff zu erhalten
(das dauert einige Wochen). In der Zwischenzeit müssen Herz und Lunge stärker arbeiten,
um das Sauerstoffdefizit auszugleichen (die Sauerstoffdichte erreicht in 5.500 m nur noch
50% des Wertes in Meereshöhe). Symptome für leicht Höhenkrankheit sind Kopfschmerzen,
Erbrechen, Schwindel, Appetitverlust, erhöhter Puls (morgendlicher Ruhepuls sollte nicht
mehr als 20% über dem persönlich bekannten Ausgangswert im Tal liegen), Schlaflosigkeit
und Atemprobleme. Diese Anzeichen (nicht alle müssen auftreten) sind eine Warnung für
Sie, sich körperlich nicht anzustrengen und nicht höher zu steigen. Meist verschwinden
die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen. In Höhen über 3.600 m kann sich bei zu raschem
Aufstieg der Zustand verschlimmern. Ein Lungen- oder (und) Gehirnödem kann die Folge
sein. Höhenlungen- und Höhenhirnödem sind stets lebensbedrohend und entstehen, wenn
vorausgehende Warnzeichen nicht beachtet wurden.
Kleidung
Für Tibet empfiehlt sich Kleidung, die man auch in Mitteleuropa tragen würde und Sonnenschutz (Brille, Cremes). Die Wintermonate sind kalt, aber nicht so kalt, wie man es vielleicht erwarten würde, deshalb sind dann Jacken und Pullover einzupacken, aber kein "Himalaya-Gepäck". Im Sommer genügen dünne Jacken oder leichte Pullover. Gutes Schuhwerk sollte man zu jeder Jahreszeit im Gepäck haben.
Klima
Die besten Monate, Tibet zu besuchen, sind April, Mai, Juni und Mitte September bis Ende Oktober. Juli und August sind schön, aber es regnet gelegentlich. Von Anfang August bis Mitte September gibt es häufig Verkehrsbehinderungen durch Überschwemmungen, Schlamm oder Geröll und zerstörte Brücken (Monsun und Schneeschmelze in den Bergen). Die Temperaturen variieren besonders im Changthang sehr stark zwischen Tag und Nacht, Sonne und Schatten. Die Winter sind nicht so kalt, wie man erwarten würde, Schnee bleibt in Lhasa nur wenige Stunden liegen. Die Temperaturen schwanken im Winter zwischen - 8 und + 8 Grad, im Sommer zwischen 10 und 24 Grad.
Unterwegs
Das Reisen ohne vorherige Organisation durch uns oder
einen örtlichen Partner ist sehr mühsam und teuer und ist deshalb nicht zu empfehlen.
Verhalten
Der Tourismus ist in unserer Zeit zu einer weltweiten Massenbewegung geworden. Viel ist in
jüngerer Zeit über die Frage geredet und geschrieben worden, welche tiefgreifenden
negativen Veränderungen der Fremdenverkehr gebracht hat. Im Sinne eines sanften Tourismus
ist deshalb zu empfehlen, sich in Tibet so zu verhalten, wie man es tut, wenn man zum
ersten Mal bei Bekannten eingeladen ist, deren Freund man werden möchte. Wenn man die
folgenden Regeln beachtet, kann man nicht viel falsch machen:
- Zeigen Sie bitte Respekt vor der Religiösität der Menschen
- Shorts gehören an den Strand und nicht in religiöse Gebäude
- Dass man in einem Tempel weder Mahlzeiten zu sich nimmt noch raucht, ist wohl
selbstverständlich
- Sie sollten keine Götterfiguren oder Thankas in Tempelräumen berühren berühren und
die Sitzgelegenheiten der Mönche nicht benützen
- Stören Sie Betende nicht durch lautes Reden oder Herumgehen
- Gebetsfahnen und Manisteine sind keine Souvenirs zum Mitnehmen
- Es gehört zu den Tugenden des Besuchers, in Klöstern kleine Spenden zu hinterlassen
- Versuchen Sie nicht, gegebene Verbote zu durchbrechen oder zu umgehen, die Folgen
könnten unangenehm sein
- Umrunden Sie religiöse Bauwerke immer im Uhrzeigersinn
- Grüßen Sie, indem Sie die Hände vor der Brust zusammenlegen und den Kopf leicht
neigen
- Die linke Hand gilt als unrein
- Verteilen Sie keine Geschenke ohne jede Gegenleistung, und geben Sie vor allem kein
Geld, wenn Sie nicht ein Volk zu Bettlern erziehen wollen
- Mit ein paar Kenntnissen der tibetischen Sprache öffnen Sie sich manche Tür und
erwerben sich Sympathien